Ich bin kein Blogger und ich möchte auch keiner werden. Aber manchmal wäre es schon ganz praktisch: Denn was gibt es Schöneres für einen Blogger als einen echten Skandal aufzudecken? Ich habe nämlich einen gefunden, jawohl!
Dann decke ich ihn eben im Lieblingshörerforum auf und erfreue mich daran, dass zumindest meine drei, vier regelmäßigen Besucher davon erfahren.
Nun aber zum Skandal. Am 1. April 2006 veröffentlichte die Online-Ausgabe des Berliner Tagesspiegels einen von mir verfassten Aprilscherz. Den hatte ich im Rahmen eines Online-Spiels geschrieben, das der Tagesspiegel auch heute noch durchführt. Das Spiel heißt Sensation! und ist ein witziges Zeitungsspiel, das nach folgendem Prinzip funktioniert: Man schreibt in einer vorgegebenen, recht knapp bemessenen Zeit einen Nonsens-Artikel. Damit es nicht zu einfach wird, werden per Zufallsgenerator vier Pflichtwörter vorgegeben, die man im Text verwenden muss, sonst wird die Story vom System abgelehnt. Die anderen Mitspieler können Artikel bewerten. Aus den beliebtesten Beiträgen wird dann eine Zeitung mit lauter unsinnigen Artikeln generiert. Nun ja, das machen andere Verlage ja ähnlich, wenn auch ohne Spielcharakter.
Das Spiel hatte mir so gut gefallen, dass ich dem Tagesspiegel damals sogar ein Podcast-Konzept dazu angeboten hatte, aber leider war das Budget dafür nicht da.
Die Redaktion dieses Spiels hatte Ende März 2006 dazu aufgerufen Aprilscherze zu verfassen, die besten sollten dann in der echten Online-Ausgabe des Tagesspiegels erscheinen. Ich schrieb eine kleine Satire über den Berliner Fernsehturm mit dem Titel "Alice Schwarzer fordert Telespargel-Abriss", die Pflichtwörter waren anämisch, Flower-Power, wackelt und Wille.
Alice Schwarzer fordert Telespargel-Abriss
Politisch inkorrekt sei dieser "gigantische Phallus am Alexanderplatz", wetterte Frauenrechtlerin Alice Schwarzer bei ihrem jüngsten Berlin-Besuch. Solche frauenfeindlichen Symbole seien nicht mehr zeitgemäß und gehören abgerissen. So zeigt dann auch das Titelblatt ihrer Zeitschrift "Emma" den Berliner Fernsehturm in ungewohnter Pose: Er
wackelt nicht mehr stolz emporragend im Wind, sondern hängt ab der Mitte traurig nach unten. Die Überschrift "Abriss statt Penis" lässt keine Zweifel offen: Schwarzer meint es bitterernst mit ihrem
Willen, dem Fernsehturm den feministischen Gnadenstoß zu versetzen - das Wahrzeichen von Berlin steht auf dem Prüfstand der Political Correctness.
Kommenden Sonntag will Schwarzer eine Demonstration veranstalten und Unterschriften zum Abriss des "Telespargels" sammeln, der von den Ost-Berlinern zu DDR-Zeiten auch liebevoll "Renommier-Pimmel" genannt wurde. Schwarzer: "Es wird Zeit, dass dieses sozialistische Potenzprotzmonument aus der Landschaft unserer Hauptstadt verschwindet. Es ist nicht nur politisch untragbar, sondern es spricht der gesamten Frauenbewegung Hohn!"
Der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sieht der Sache gelassen entgegen: "Ich sehe Schwarzers
anämische Aktion als ein letztes Aufrichten, ähm, ich meine Aufbäumen gegen die Tatsache, dass sie als Kämpferin für Frauenrechte seit der
Flower-Power-Zeit nach und nach an Bedeutung verloren hat. Ein Abriss des Fernsehturms ist absurd. Ich sage nur: Er steht und er wird auch weiterhin stehen!"
