Ohrenblicke - Lieblingshörerforum - Archiv-Modus

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Als Tonmensch interessiere ich mich natürlich besonders für die emotionale Wirkung von Klängen im Film. Oftmals nimmt man sowas ja nur unbewusst wahr und merkt gar nicht, welchen großen Anteil das Sounddesign daran hat, ob es einen gruselt, ob man Adrenalin produziert oder ob eine Szene besonders komisch wirkt. Das genaue Hinhören gehört zu meinem Beruf, deshalb versuche ich durch meinen Podcast auch andere dazu zu bringen, einmal bewusster hinzuhören. Daher meine Frage: Bei welchem Film ist euch schon mal bewusst eine Wirkung des Sounds aufgefallen?

Ich nenne mal ein Beispiel, das mir immer sofort einfällt, obwohl ich den Film schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen habe: Der Film Shining von Stanley Kubrick. In einer Szene sieht man den kleinen Jungen auf seinem Dreirad durch die Gänge fahren und das Geräusch steht dabei sehr im Vordergrund, auch der Klangunterschied der verschiedenen Bodenbeläge springt einem geradezu ins Gesicht und bekommt im Zusammenhang mit der düsteren Atmosphäre des Films etwas Bedrohliches. In einer anderen Szene sieht man Jack Nicholson allein in der Hotelhalle sitzen und auf seiner Schreibmaschine tippen. Eigentlich völlig banal dieses Tippgeräusch mit dem Nachhall, aber ich bekomme da immer eine Gänsehaut.

Wer kennt noch mehr solcher Filmszenen mit gelungendem Sounddesign?
Und hier noch eine Szene aus einem meiner absoluten Lieblingsfilme, nämlich Delicatessen von Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro. Diese Szene ist komponiert wie ein Musikstück und einfach nur genial.
also die szene aus delicatessen ist echt genial. ich glaub den muss ich mir doch mal anschauen, hab schon öfters was davon gehört...

aber mir fällt auf anhieb nur was negatives ein: und zwar diese nervtötenden grausel-schauer meldodien bei so skandal sendungen wie brisant oder taff oder so.... wo gezeigt wird, welcher böse mann wieder irgendwo welche böse tat begangen hat. das ganze wird leise hinterlegt mit schlechter horror-musik und schon ergreift die zuschauer entsetzen und sie wollen mehr sehn in ihrem voyeuristischen drang.... da wird der sound/ die musik psychologisch ausgenutzt, um zuschauer bei ner schlechten sendung zu halten.


soviel zum negativen, wenn mir was außerordentlich positives auffällt meld ich mich...
hab schon was: kubrich: 2001- odysee im weltraum. zum einen herrliche musik, aber vor allem die geräusche passen perfekt zur stimmung. wenn er so im weltraum rumtrudelt und man gar nichts hört (weil man ja auch nichts hören kann im vakuum...). nunja, der sound ist beeindruckend
ich hab grad noch eine szene vor augen. der film heißt "haze" und ist so ein ostasiatischer horrorfilm über ein labyrinth.
jedenfalls gibt es die eine szene, wo die zähne des protagonisten auf eine metallstange gepresst sind, die ihm im mund klemmt. dann bewegt er sich nach rechts und links und man hört das geräusch von kratzenden, quitschenden zähnen auf metall (und zwar recht lange)... also da hat mir der sound mehr angst eingejagt als das bild

Aarvo schrieb:
man hört das geräusch von kratzenden, quitschenden zähnen auf metall (und zwar recht lange)... also da hat mir der sound mehr angst eingejagt als das bild
Ende Zitat


Allein die Beschreibung lässt mich frieren... Danke für die Abkühlung Zwinkern

Uaaaah!!!

Aarvo schrieb:
also die szene aus delicatessen ist echt genial. ich glaub den muss ich mir doch mal anschauen, hab schon öfters was davon gehört...
Ende Zitat


Lohnt sich! Auch diese Szene ist zum Brüllen. Zur Erläuterung: Der Typ ist der Hausmeister und er soll das quietschende Bett reparieren und will prüfen, welche Feder das Quietschen verursacht. Am Schluss sagt er irgendwas wie: "Aha, es ist die dritte Sprungfeder von links" (genau weiß ich's nicht mehr und mein Französisch reicht leider nicht).

Hier noch ein ganz großer Meister, nämlich Sergio Leone. In der Anfangsszene aus "Spiel mir das Lied vom Tod" sind die Geräusche recht dominant. Vor allem dieses quietschende Windrad ist genial eingesetzt. Ich finde, der hat es wirklich drauf, wie man Bilder, Töne und Musik zu einem Gesamtkunstwerk veredelt. Was natürlich auch die Leistung von Ennio Morricone ist.

Und wo ich schon dabei bin, darf diese Szene natürlich nicht fehlen. Auch wenn man sich das doch besser auf einer großen Leinwand ansehen sollte. Ich mag es, wie hier die Mundharmonika und die Glocke in die Filmmusik integriert sind. Ganz, ganz großes Kino!

Ergänzung: Übrigens hinkt bei diesem YouTube-Video der Ton etwas hinterher. Das ist besonders lustig, wenn am Schluss Franks Kopf auf den Boden fällt und der (akustisch sehr überzeichnete) Aufschlag etwas später erklingt Zwinkern
Die leckeren Delikatessen habe ich schon seit mindestens einem Monat auf DVD zu Hause und bin immer noch nicht dazugekommen, sie mir anzuschauen. Ich denke, jetzt wird es wirklich langsam an der Zeit... Lächeln

Mit Geräuschen habe ich vor allem Zeichentrickfilme verbunden. Da müssen die Macher ja für jede Bewegung, jede Kleinigkeit irgendein Geräusch basteln. Ein ganz besonderes Beispiel dazu ist für mich der Film „Les Triplettes der Belleville“ (Frankreich, 2003). In dem Film wird nur ganz wenig gesprochen und Geräusche spielen hier die Hauptrolle, lässt sich ruhig sagen. Ich kam vor allem ins Staunen, als ich die Bonusbeiträge am Ende des Films gesehen habe, in denen die Filmemacher beschreiben, was es mit den Geräuschen alles an sich hatte.
Le Triplettes der Belleville ist auf keinen Fall eine Komödie und schon gar nicht ein Kinderfilm. Und (nicht nur) für alle Geräuscheinteressierten ein großes Leckerchen!

Musikalisch fand ich den tschechischen Film "Grandhotel" (2006) sehr beeindruckend. Es spielt in der nordtschechischen Kreisstadt Liberec (Reichenberg) und vor allem in der Dominante über der Stadt – dem Berghotel Ještěd (Jeschken). Die spirituelle Atmosphäre oben in den Wolken und auch unten in der sonderbaren Stadt untermalt die Musik von Jan P. Muchow ziemlich genial.
Muchow ist nicht nur für seine Filmmusik sondern auch für seinen musikalischen Projekt The Ecstasy Of Saint Theresa sehr bekannt. Für Interessierten noch mein Liebligssong.

Sehr stark ist mir auch der deutsche Film "Schneeland" (2005) mit Julia Jentsch in der Hauptrolle in Erinnerung geblieben. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass ich ihn in einem kleinen Kino ganz in der Nähe vom Hamburger Hauptbahnhof gesehen habe. In dem Film wurde auch nur wenig gesprochen, im Vordergrund standen in vielen Szenen der Schnee, der Wind, die Landschaft von Lappland – die „laute Stille“. Auf mich hat es sehr stark gewirkt, ich fühlte mich plötzlich ganz winzig. In einem Moment fährt ein Pistenbulli direkt an der Kamera vorbei und allein das gibt ein Riesendonnern vor sich. In dem Moment ist ein Zug direkt unter uns durchgefahren und zu dem Donnern aus den Dolby-Lautsprechern bekamen wir genau im demselben Augenblick noch eine ordentliche „Rückenmassage“. Meine Freundin und ich sind damals richtig zusammengezuckt. Lächeln
nicht einzelne Filmgeräusche, die ich jetzt im Kopf habe, vielmehr die Filmmusik ansich in Steven Spielbergs "Das Reich der Sonne" hat mir das erste mal (im Kino) bewusst gemacht, wie Musik wirken kann. Insbesonders die Schlussszene, in der Jimmy seine Eltern wiedersieht und die Rufe und Schreie der anderen Kindern und Eltern langsam ausgeblendet werden, bis schließlich nur noch die Musik zu hören ist, hat mir dies gezeigt. Hier verdichtet die Musik die gesamte Dramatik des Filmes in diesem einen Moment.

So kitschig diese Szene, vielleicht der ganze Film sein mag, gebe ich zu: noch heute steht mir das Wasser in den Augen, wenn ich diese Szene sehe, diese Musik höre...

Zwinkern
- Coke
Ich belebe wieder ein altes Forum, aber bei diesem Thema konnte ich einfach nicht wiederstehen weil ich leidenschaftlicher Filme gucker bin und irgendwie schon früh mitbekommen habe was Geräusche da ausmachen können.

Ich fange gleich mit einem Horrorfilm an, es ist 1408 und der Film betont schon am Anfang wie wichtig eigentlich die Musik ist. Da ist also dieser Autor, der sich zur Aufgabe gemacht hat an den gruseligsten Orten der Welt zu übernachten und darüber Berichte zu schreiben. Ihm wird eine Postkarte von einem Hotel in New York zugespielt auf dem nur steht. "Geh nicht in 1408". Das erste was der Proganist macht, ist die Zahlen zusammen zu rechnen und dabei auf 13 zu kommen. Obwohl seine (Ex)Frau (sie haben ihr Kind verloren aber sich irgendwie nie geschieden) dort lebt, fährt er da hin und will den Schlüssel dieses Zimmers. Also diskutiert er mit dem Manager (der von Morgan Freeman gespielt wird) darum, ob er in diesen Raum nun einziehen darf oder nicht. Der Manager füttert ihn mit vielen unschönen Details, die der Autor schon kennt und legt dann noch einen drauf und fragt sowas wie: "Haben sie auch von den 35 Leuten gehört die in diesem Zimmer an einen natürlichen Tod gestorben sind?" Damit schockt er den Autor relativ kurzfristig, der nur von "Fensterspringern" oder anderen "Freitotarten" in diesem Zimmer hörte. Schlussendlich bekommt er den Schlüssel...

Er fährt mit dem Manager hoch, der weiterhin versucht ihn davon abzuhalten dort einzuziehen. ALLEIN, geht der Autor über den Hotelflur bis zu dem fraglichen Zimmer. Er schließt es auf und betritt das Zimmer. Der Musikaufbau den der Zuschauer zu hören bekommt lässt nichts gutes vermuten, man erwartet das hinter der nächsten Ecke ein Massenmörder hervorspring und den Autor umbringt. Dann tritt musikalische Stille ein.
Hier muss man dem Syncronsprecher ein dickes Lob aussprechen, der so angenervt und mit einem so extremen ´Wollt ihr mich verarschen?´ Ton in der Stimme, in das völlig leere Hotelzimmer fragt: "DAS IST ES?"
Selbst wenn man an dieser Stelle so wie ich anfängt zu lachen, kann man nicht den Ton der zufallenden Tür überhören. Der die entgültigkeit eines zugeschlagenen Sarges hat.
Dieser Film ist geräuschlich und vom Musikaufbau gesehen einfach wunderbar. Dadurch das John Cusseck (also der Autor) bis auf das Hotelzimmer an sich, nicht wirklich jemanden zum aggieren hat, wird hier natürlich auf das unbekannte und nicht greifbare gesetzt. Das sich durch rascheln, flüstern, Schritte, das weinen eines Babys aus dem Nachbarzimmer oder ähnlichem bemerkbar macht. Es gibt in dieser Geschichte auch eine Szene, in dem der Figur die Fähigkeit zu hören geraubt wird. Er steht da also an einem offenen Fenster, steckt sogar durch das selbige seinen Kopf, über einer vielbefahrenen Straßen in New York und hört... GAR NICHTS.
Dargestellt für die Zuschauer (wohl ehr Zuhörer in diesem Fall) wurde dies als würde man ein Hörgerät ausschalten, einen Gehörsturz erleben und/oder einen Tinitus bekommen.

Wie sehr die Musik meiner Lieblingsserie beeinflusst hat, bemerkte ich erst vor ein paar Wochen richtig bewusst. Als einer von vielen Gästen einer Akte X Convention lauschte ich dem Vortrag einer Musikstudentin die sich mit Musik rund um Akte X beschäftigte. Als sie Stücke einspielte, schloss man die Augen und hatte irgendwie sofort wieder die Situation dazu im Kopf... wie einprägsam die Musik ist hatte ich aber schon vorher bemerkt.
Zu meinem Geburtstag bekam ich zwei Staffeln geschenkt, die ich natürlich mit großer Leidenschaft guckte. An irgendeinem Tag kam mein Mann darauf zu, er hatte nicht mal auf dem Bildschirm geguckt und trotzdem begrüßte er mich mit: "Nicht die schon wieder." dabei spielte in der Serie, grad nur Musik... und es war nicht mal die Titelmelodie. Grinsen

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