02.06.2008, 22:15
Folgendes hab ich heute in einer Boulevardzeitung gelesen.
Entzug auf 4 Saiten
eine Reportage von U. Kulele
Mit zitternden Händen legt der gelernte Industriekaufmann Markus D. (Name von der Redaktion geändert) aus H. an der L. das kleine Büchlein mit den Akkordgriffen zur Seite.
"Nur 2 Finger für diesen F-Akkord", flüstert er leise und wischt sich verschämt mit der Linken einige Tränen aus den Augen. "Auf der Gitarre wäre das ein Barre-Griff", erklärt er dann wieder sichtlich gefasst. "Da muss man mehrere Saiten mit einem Finger runterdrücken. Da verzweifle ich seit Jahren dran."
Die Geschichte, die mir der 33jährige bei einer Tasse Kaffee und einem Dutzend Mozartkugeln erzählt, ist schier unglaublich.
"Zuerst hab ich mir ja gar nichts dabei gedacht, als ich meiner Frau die aktuelle Folge des Podcasts -Normcast- vorgespielt habe. Auch als der Moderator Norman O. darin berichtete, daß er vom Podcaster Jens W. ein Jensigramm erhalten habe und dies nun zu spielen gedenke, hab ich mir nichts böses dabei gedacht. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt einfach auf Pause gedrückt, wäre mein Leben wahrscheinlich ganz normal weiterverlaufen."
Was nach dem -Hörgenuss- dieses Jensigramms geschah, bringt Markus D. nur schwer über die Lippen.
"Kaum hatte meine Frau dieses auf einer Ukulele gespielte Jensigramm gehört, begann sie sich für Ukulelen zu interessieren. Im Commentbereich von http://www.normcast.de liess sie sich von Jens W., der sich selbst der -Ohrenblicker- nennt, über die wichtigsten Fragen zur Anschaffung einer Ukulele informieren. Später gab es sogar noch privaten Emailverkehr."
Markus D. will wieder nach dem Büchlein mit den Akkorden greifen, doch ich greife seine Hand und lenke sie zu den Mozartkugeln zurück. Dankend blickt mir der hochgewachsene Mann in die Augen, entfernt das Silberpapier unn steckt sich die von einem warmen Sommertag leicht angeschmolzene Marzipanspezialität in den Mund.
"Ruckzuck hatte sie sich auf den Rat dieses Ohrenblickers eine Ukulele zugelegt. Eine sogenannet Brüko 6. Den ganzen Tag hörte ich dann nur noch Ukulele. Griffwechselübungen stundenlang. Und dann immer diese Youtube-Videos von diesem Jake Shimabu... ach, was weiss ich, wie der heisst."
Wütend fährt er sich durch die Haare, doch sein Ärger wandelt sich sofort wieder in Verzweiflung, als ihm bewusst wird, daß er direkt nach dieser Youtube-Phase selbst der Ukulele zum Opfer fiel.
"Ich hab das Ding doch nur einmal kurz in die Hand genommen", beteuert er. "Seit 1995 versuche ich nun schon Gitarre zu spielen, aber diese Barre-Griffe machen mich echt fertig. Wissen Sie eigentlich wie viele Lieder einem verschlossen bleiben, wenn man keine Barre-Griffe kann? Und hier auf dieser Ukulele braucht man da nur 2 Finger."
Seine Finger verhaken sich demonstrativ zu dem beschriebenen Griff in der Luft. Suchend blickt er im Raum umher, doch die Ukulele, die er nun für seinen Kick bräuchte, befindet sich gerade im Nachbarraum.
"Ich hab da sofort Blut geleckt. Verdammt, ich bin doch auch nur ein Mensch. Und wenn du über 10 Jahre Gitarre spielst und kriegst das nicht hin und dann kommt da deine Frau mit so einer Ukulele an und du probierst das einmal und plötzlich fluppt das ..."
Er selbst hat es noch nicht realisiert, aber Markus D. ist Ukulelesüchtig. Abhängig gemacht vom Ohrenblicker Jens W., einem Handlager der skrupellosen 4-Saiten-Mafia, sitzt er nun in seinem Wohnzimmer und hört aus dem Nebenraum, wie seine Frau auf der einzigen Ukulele im Haushalt spielt.
"Wenn ich nicht wenigstens diese kleine Büchlein mit den Akkorden hier hätte, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden", raunt er mir zu.
Doch er ist sich selbst natürlich darüber im klaren, daß es so nicht weitergehen kann. Entweder eine zweite Ukulele muss her, oder er muss sich wieder an seine Gitarre heranwagen. Doch Markus D. ist Realist genug um sich die Chancen für einen Erfolg auszurechnen.
"Sobald ich wieder beim F bin, falle ich zur Ukulele zurück", prophezeit er.
Als ich mich von Markus D. verabschieden will, hält er mich am Ärmel fest und schaut mich ernst an.
"Sie müssen mir eins versprechen", flüstert er mir zu und ich nicke. "Berichten sie den Leuten von den Machenschaften dieses Jens W., dieses Ohrenblickers. Lassen sie nicht zu, daß es anderen so wie mir ergeht. Der darf doch nicht einfach so ungestraft Hobbygitarristen zu Ukulelespielern konvertieren."
Ich streichle besänftigend seine Hand, packe noch eine Mozartkugel aus und stecke sie ihm in den Mund bevor ich gehe.
Einen Teufel werd ich tun. Ukulele klingt doch Geil.
Entzug auf 4 Saiten
eine Reportage von U. Kulele
Mit zitternden Händen legt der gelernte Industriekaufmann Markus D. (Name von der Redaktion geändert) aus H. an der L. das kleine Büchlein mit den Akkordgriffen zur Seite.
"Nur 2 Finger für diesen F-Akkord", flüstert er leise und wischt sich verschämt mit der Linken einige Tränen aus den Augen. "Auf der Gitarre wäre das ein Barre-Griff", erklärt er dann wieder sichtlich gefasst. "Da muss man mehrere Saiten mit einem Finger runterdrücken. Da verzweifle ich seit Jahren dran."
Die Geschichte, die mir der 33jährige bei einer Tasse Kaffee und einem Dutzend Mozartkugeln erzählt, ist schier unglaublich.
"Zuerst hab ich mir ja gar nichts dabei gedacht, als ich meiner Frau die aktuelle Folge des Podcasts -Normcast- vorgespielt habe. Auch als der Moderator Norman O. darin berichtete, daß er vom Podcaster Jens W. ein Jensigramm erhalten habe und dies nun zu spielen gedenke, hab ich mir nichts böses dabei gedacht. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt einfach auf Pause gedrückt, wäre mein Leben wahrscheinlich ganz normal weiterverlaufen."
Was nach dem -Hörgenuss- dieses Jensigramms geschah, bringt Markus D. nur schwer über die Lippen.
"Kaum hatte meine Frau dieses auf einer Ukulele gespielte Jensigramm gehört, begann sie sich für Ukulelen zu interessieren. Im Commentbereich von http://www.normcast.de liess sie sich von Jens W., der sich selbst der -Ohrenblicker- nennt, über die wichtigsten Fragen zur Anschaffung einer Ukulele informieren. Später gab es sogar noch privaten Emailverkehr."
Markus D. will wieder nach dem Büchlein mit den Akkorden greifen, doch ich greife seine Hand und lenke sie zu den Mozartkugeln zurück. Dankend blickt mir der hochgewachsene Mann in die Augen, entfernt das Silberpapier unn steckt sich die von einem warmen Sommertag leicht angeschmolzene Marzipanspezialität in den Mund.
"Ruckzuck hatte sie sich auf den Rat dieses Ohrenblickers eine Ukulele zugelegt. Eine sogenannet Brüko 6. Den ganzen Tag hörte ich dann nur noch Ukulele. Griffwechselübungen stundenlang. Und dann immer diese Youtube-Videos von diesem Jake Shimabu... ach, was weiss ich, wie der heisst."
Wütend fährt er sich durch die Haare, doch sein Ärger wandelt sich sofort wieder in Verzweiflung, als ihm bewusst wird, daß er direkt nach dieser Youtube-Phase selbst der Ukulele zum Opfer fiel.
"Ich hab das Ding doch nur einmal kurz in die Hand genommen", beteuert er. "Seit 1995 versuche ich nun schon Gitarre zu spielen, aber diese Barre-Griffe machen mich echt fertig. Wissen Sie eigentlich wie viele Lieder einem verschlossen bleiben, wenn man keine Barre-Griffe kann? Und hier auf dieser Ukulele braucht man da nur 2 Finger."
Seine Finger verhaken sich demonstrativ zu dem beschriebenen Griff in der Luft. Suchend blickt er im Raum umher, doch die Ukulele, die er nun für seinen Kick bräuchte, befindet sich gerade im Nachbarraum.
"Ich hab da sofort Blut geleckt. Verdammt, ich bin doch auch nur ein Mensch. Und wenn du über 10 Jahre Gitarre spielst und kriegst das nicht hin und dann kommt da deine Frau mit so einer Ukulele an und du probierst das einmal und plötzlich fluppt das ..."
Er selbst hat es noch nicht realisiert, aber Markus D. ist Ukulelesüchtig. Abhängig gemacht vom Ohrenblicker Jens W., einem Handlager der skrupellosen 4-Saiten-Mafia, sitzt er nun in seinem Wohnzimmer und hört aus dem Nebenraum, wie seine Frau auf der einzigen Ukulele im Haushalt spielt.
"Wenn ich nicht wenigstens diese kleine Büchlein mit den Akkorden hier hätte, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden", raunt er mir zu.
Doch er ist sich selbst natürlich darüber im klaren, daß es so nicht weitergehen kann. Entweder eine zweite Ukulele muss her, oder er muss sich wieder an seine Gitarre heranwagen. Doch Markus D. ist Realist genug um sich die Chancen für einen Erfolg auszurechnen.
"Sobald ich wieder beim F bin, falle ich zur Ukulele zurück", prophezeit er.
Als ich mich von Markus D. verabschieden will, hält er mich am Ärmel fest und schaut mich ernst an.
"Sie müssen mir eins versprechen", flüstert er mir zu und ich nicke. "Berichten sie den Leuten von den Machenschaften dieses Jens W., dieses Ohrenblickers. Lassen sie nicht zu, daß es anderen so wie mir ergeht. Der darf doch nicht einfach so ungestraft Hobbygitarristen zu Ukulelespielern konvertieren."
Ich streichle besänftigend seine Hand, packe noch eine Mozartkugel aus und stecke sie ihm in den Mund bevor ich gehe.
Einen Teufel werd ich tun. Ukulele klingt doch Geil.



