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Folgendes hab ich heute in einer Boulevardzeitung gelesen.

Entzug auf 4 Saiten
eine Reportage von U. Kulele

Mit zitternden Händen legt der gelernte Industriekaufmann Markus D. (Name von der Redaktion geändert) aus H. an der L. das kleine Büchlein mit den Akkordgriffen zur Seite.

"Nur 2 Finger für diesen F-Akkord", flüstert er leise und wischt sich verschämt mit der Linken einige Tränen aus den Augen. "Auf der Gitarre wäre das ein Barre-Griff", erklärt er dann wieder sichtlich gefasst. "Da muss man mehrere Saiten mit einem Finger runterdrücken. Da verzweifle ich seit Jahren dran."

Die Geschichte, die mir der 33jährige bei einer Tasse Kaffee und einem Dutzend Mozartkugeln erzählt, ist schier unglaublich.

"Zuerst hab ich mir ja gar nichts dabei gedacht, als ich meiner Frau die aktuelle Folge des Podcasts -Normcast- vorgespielt habe. Auch als der Moderator Norman O. darin berichtete, daß er vom Podcaster Jens W. ein Jensigramm erhalten habe und dies nun zu spielen gedenke, hab ich mir nichts böses dabei gedacht. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt einfach auf Pause gedrückt, wäre mein Leben wahrscheinlich ganz normal weiterverlaufen."

Was nach dem -Hörgenuss- dieses Jensigramms geschah, bringt Markus D. nur schwer über die Lippen.

"Kaum hatte meine Frau dieses auf einer Ukulele gespielte Jensigramm gehört, begann sie sich für Ukulelen zu interessieren. Im Commentbereich von http://www.normcast.de liess sie sich von Jens W., der sich selbst der -Ohrenblicker- nennt, über die wichtigsten Fragen zur Anschaffung einer Ukulele informieren. Später gab es sogar noch privaten Emailverkehr."

Markus D. will wieder nach dem Büchlein mit den Akkorden greifen, doch ich greife seine Hand und lenke sie zu den Mozartkugeln zurück. Dankend blickt mir der hochgewachsene Mann in die Augen, entfernt das Silberpapier unn steckt sich die von einem warmen Sommertag leicht angeschmolzene Marzipanspezialität in den Mund.

"Ruckzuck hatte sie sich auf den Rat dieses Ohrenblickers eine Ukulele zugelegt. Eine sogenannet Brüko 6. Den ganzen Tag hörte ich dann nur noch Ukulele. Griffwechselübungen stundenlang. Und dann immer diese Youtube-Videos von diesem Jake Shimabu... ach, was weiss ich, wie der heisst."

Wütend fährt er sich durch die Haare, doch sein Ärger wandelt sich sofort wieder in Verzweiflung, als ihm bewusst wird, daß er direkt nach dieser Youtube-Phase selbst der Ukulele zum Opfer fiel.

"Ich hab das Ding doch nur einmal kurz in die Hand genommen", beteuert er. "Seit 1995 versuche ich nun schon Gitarre zu spielen, aber diese Barre-Griffe machen mich echt fertig. Wissen Sie eigentlich wie viele Lieder einem verschlossen bleiben, wenn man keine Barre-Griffe kann? Und hier auf dieser Ukulele braucht man da nur 2 Finger."

Seine Finger verhaken sich demonstrativ zu dem beschriebenen Griff in der Luft. Suchend blickt er im Raum umher, doch die Ukulele, die er nun für seinen Kick bräuchte, befindet sich gerade im Nachbarraum.

"Ich hab da sofort Blut geleckt. Verdammt, ich bin doch auch nur ein Mensch. Und wenn du über 10 Jahre Gitarre spielst und kriegst das nicht hin und dann kommt da deine Frau mit so einer Ukulele an und du probierst das einmal und plötzlich fluppt das ..."

Er selbst hat es noch nicht realisiert, aber Markus D. ist Ukulelesüchtig. Abhängig gemacht vom Ohrenblicker Jens W., einem Handlager der skrupellosen 4-Saiten-Mafia, sitzt er nun in seinem Wohnzimmer und hört aus dem Nebenraum, wie seine Frau auf der einzigen Ukulele im Haushalt spielt.

"Wenn ich nicht wenigstens diese kleine Büchlein mit den Akkorden hier hätte, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden", raunt er mir zu.

Doch er ist sich selbst natürlich darüber im klaren, daß es so nicht weitergehen kann. Entweder eine zweite Ukulele muss her, oder er muss sich wieder an seine Gitarre heranwagen. Doch Markus D. ist Realist genug um sich die Chancen für einen Erfolg auszurechnen.

"Sobald ich wieder beim F bin, falle ich zur Ukulele zurück", prophezeit er.

Als ich mich von Markus D. verabschieden will, hält er mich am Ärmel fest und schaut mich ernst an.

"Sie müssen mir eins versprechen", flüstert er mir zu und ich nicke. "Berichten sie den Leuten von den Machenschaften dieses Jens W., dieses Ohrenblickers. Lassen sie nicht zu, daß es anderen so wie mir ergeht. Der darf doch nicht einfach so ungestraft Hobbygitarristen zu Ukulelespielern konvertieren."

Ich streichle besänftigend seine Hand, packe noch eine Mozartkugel aus und stecke sie ihm in den Mund bevor ich gehe.

Einen Teufel werd ich tun. Ukulele klingt doch Geil.

derduebel schrieb:
Später gab es sogar noch privaten Emailverkehr."
Ende Zitat


Ich schwör's, der war rein platonisch Zwinkern

derduebel schrieb:
Der darf doch nicht einfach so ungestraft Hobbygitarristen zu Ukulelespielern konvertieren.
Ende Zitat


Und wieder eine arme Seele gerettet, wie schön Lächeln

Ich danke für diesen überaus aufschlussreichen Artikel! Und ich werde nicht ruhen, bevor ich die ganze Welt ukulelisiert habe. Allerdings fürchte ich, dass du mir bald Konkurrenz machen wirst, Dübligramme spielst und ich mir ein neues Markenzeichen für meinen Podcast suchen muss Traurig

Zitat:
Allerdings fürchte ich, dass du mir bald Konkurrenz machen wirst, Dübligramme spielst und ich mir ein neues Markenzeichen für meinen Podcast suchen muss Traurig
Ende Zitat


Keine Bange. Ich werde keine Gramme irgendwelcher Art bei mir spielen. Wobei mir grad einfällt... macht Stefan Raab eigentlich noch Raabigramme? Ich hab seine Sendung schon ewig nicht mehr gesehen. Und falls nicht, hast Du ihm die Dinger dann etwa geklaut? Dann wärs ja eigentlich schon fast wieder okay, wenn ich Dübligramme machen würde. Obwohl, neee... Dübligramme klingt auch blöd. Also, keine Panik.

derduebel schrieb:
macht Stefan Raab eigentlich noch Raabigramme?
Ende Zitat


Ich war am Samstag auf einem Ukulelentreffen und da habe ich erfahren, dass die Ukulele von Stefan Raab kürzlich bei Ebay versteigert wurde. Aber schon vom Nachbesitzer. Stefan hat sie wohl schon vor längerer Zeit versteigert. Daher kann man davon ausgehen, dass es keine Raabigramme mehr gibt. Diese Nische habe ich dann natürlich gleich wieder gefüllt. Aber das Original stammt ja von Rudi Carell, daher ist es eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird Lächeln

Apropos, man muss Stefan Raab nicht mögen, aber sein Duett mit James Brown finde ich sehr genial! Und alles mit einer Brüko No. 4 Lächeln
Wo bleiben die Berichte über Lernfortschritte inkl. Hörbeispiele?
Na gut, dann nutze ich mal die Gunst der Stunde und berichte frisch über die neuesten musikalischen Ereignisse im Hause Dübel, während der Rest von Deutschland Fussball guckt. Die beiden Brükos, äh... Brüken, neee... Briketts, also die beiden Ukulelen sind nach wie vor in ständiger Benutzung. Mittlerweile wurden aufgrund einer Empfehlungen auch die Standardsaiten gegen Saiten aus dem Hause Aquila ausgetauscht. Trotzdem sind wir aber noch meilenweit von einer öffentlichen Aufführung entfernt. Da muss noch eine Menge geübt werden. Aber der Ansporn ist da. Wir werde vielleicht niemals eine ernsthafte Konkurrenz für Jake Shimabukuro, aber wenn wir den einen oder anderen Song mit ein paar Akkorden begleiten können, sind wir zufrieden. Zur Zeit örgle ich ein wenig an der 80´er Schnulze "I like Chopin" herum, während meine Frau an Joshua Kadisons "Jessie" herumschrammelt.

Ups, jetzt haben die Türken doch glatt ein Tor geschossen. Ich muss weg.

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