Ohrenblicke - Lieblingshörerforum - Archiv-Modus

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Moin !

Habe über Google zu euch gefunden, bin sehr gespannt, was mich hier erwartet. Lächeln

Bin 48 Jahre alt,lebe alleine mit Hund & Katzen auf dem Land in NDS und bin blind. Bis jetzt habe ich mich ganz gut zurechtgefunden, werde mir die Hilfsseite mit den Tastenkürzeln etc. noch genauer ansehen.

Ich liebe Musik, klar Lächeln und freue mich auf Ohrenschmaus. Habt bitte keine Berührungsängste, fragt, wenn ihr Fragen habt !!

Lieber Gruß, Shari
Hallo Shari,

herzlich willkommen im Lieblingshörerforum und ich bin wirklich richtig froh, dass mal jemand diese eingeschlafene Rubrik wieder belebt!

Da du über Google gekommen bist, weiß ich jetzt nicht, ob du die Hintergründe dieses Forums kennst. Es ist ein Ableger meines Projekts Ohrenblicke. Ohrenblicke ist ein Podcast in dem es um unsere akustische Umwelt geht. Derzeit bereite ich eine Reihe über die Wahrnehmungswelt von Blinden vor und habe schon viel Material gesammelt, Gespräche geführt und interessante Menschen kennengelernt. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es in einer Kurzfolge zum Thema Blindenfußball.

Da ich mich eben viel mit der akustischen Wahrnehmung beschäftige, tausche ich mich sehr gern mit Blinden aus und habe diese Rubrik eingerichtet, die allerdings kaum genutzt wird (wie übrigens das ganze Forum hier etwas eingeschlafen ist). Mein Plan ist außerdem, den Austausch zwischen Sehenden und Blinden zu fördern.

Also, ich würde mich freuen, wenn du dich hier mit mir (und hoffentlich auch anderen) austauschen würdest. Vielleicht magst du noch ein bisschen mehr über dich erzählen: Warst du schon immer blind? Wirst du häufig mit Vorurteilen konfrontiert? Gibt es etwas, das dich im Umgang von Sehenden mit Blinden stört?

Ich freue mich auf einen regen Austausch!
Hey Ohrenblicker,

ja, in die "Ohrenblicke" hab ich schon reingehört, ich denke, ich werde hier noch spannendes zu hören bekommen. Und, stimmt, das Forum scheint ein wenig verschlafen zu sein, vielleicht können wir das ja ändern !?

Ohrenblicker schrieb:
Also, ich würde mich freuen, wenn du dich hier mit mir (und hoffentlich auch anderen) austauschen würdest. Vielleicht magst du noch ein bisschen mehr über dich erzählen: Warst du schon immer blind? Wirst du häufig mit Vorurteilen konfrontiert? Gibt es etwas, das dich im Umgang von Sehenden mit Blinden stört?

Ich freue mich auf einen regen Austausch!
Ende Zitat


Kein Thema, ich habe gar nix gegen austauschen !

Nein, ich bin späterblindet durch einen Gehirntumor (Meningeom), es hat Jahre gedauert und ich konnte mich langsam umstellen. Nicht, das es mir vollständig gelungen wäre, bin zwar ein chronisch optimistischer Mensch , aber ab & an hadere ich auch.

Vorurteile ...schwer zu sagen. Da ich auf einem kleinen Dorf wohne, kennt mich eigentlich jeder, man weiß, was ich kann und wobei ich Hilfe brauche. Begegne aber oft dem Vorurteil : Blinde können doch keinen PC bedienen, das ist ein visuelles Medium, das geht doch nie !
Dann ist es mir immer ein innerer Reichsparteitag denen meinen "Freund", den Reader zu präsentieren. Oder eben Tastenkombinationen, die kaum ein Sehender kennt ( ich kannte sie sehend auch nicht ! ) ..

Mein Umgang mit Sehenden ist ziemlich unkompliziert. Das liegt aber wohl auch an mir, ich bin nämlich auch unkompliziert . Wenn ich merke, das mir gegenüber unsicher oder verspannt ist, dann versuche ich ihm einfach diesen verklemmten Wind aus den Segeln zu nehmen, das hilft vorrangig auch mir !

Ich freue mich, wenn jemand fragt, und zwar mich direkt und nicht meinen Begleiter. Das kommt nämlich schon vor, denken die Leute dann blind = blöd ? Meistens bin ich aber alleine unterwegs und werde auch schon mal neugierig angesprochen. Aber, eher selten, obwohl doch die meisten Leute neugierig sind, ich auch ..mein Hund hilft da oft, Berührungsängste zu vermeiden. Das ist nämlich kein Blindenführhund, sondern ein normal beklopfter Bordercollie.

Noch Fragen ? Immer ran !

Lieber Gruß, Shari

Ich bin immer wieder beeindruckt, dass man als Blinder sogar die Zitatfunktion im Forum nutzen kann, sowas ist nämlich für Sehende schon nicht ganz unkompliziert. Zwinkern

Wo du das erwähnst, dass manche Leute lieber mit deinem Begleiter reden, es gibt da einen sehr, sehr bösen Sketch mit Gerhart Polt. Da sitzt er in der Kneipe am Tisch mit einem Rollstuhlfahrer und seinem Begleiter und Polt redet nur mit dem Begleiter. Und er stellt sich so plump dabei an, dass die beiden irgendwann entnervt den Tisch wechseln.

Ich lese gerade das Buch "Das wiedergefundene Licht" von Jacques Lusseyran. Ich weiß nicht, ob du es kennst. Es ist die Autobiographie eines blinden Franzosen, der im dritten Reich Widerstand gegen das Nazi-Regime leistet. Wie stehst du zu Blinden, die etwas Herausragendes leisten? Ich hatte vor längerer Zeit eine Diskussion mit einer blinden Hörerin, die meinte, dass ihr solche "Vorzeige-Blinden" das Leben schwer machen würden, weil man sie mit ihnen vergleichen würde. Ich finde das irgendwie befremdlich, denn auch bei Sehenden gibt es sowohl herausragende Persönlichkeiten als auch solche, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen. Ich (als Nicht-Blinder) halte gerade Menschen, die ein Handicap haben und es trotzdem weit bringen für große Vorbilder. Die zeigen uns nämlich, dass wir uns selbst belügen, wenn wir über irgendwelche Kleinigkeiten jammern, die uns angeblich im Wege stehen.
Hallo Shari.

Willkommen im Ohrenblicker Forum.

Wie du schon selber festgestellt hast, wird das Forum schon durch deine bloße Anwesenheit angeregt. Vielleicht schreiben noch ein paar Leute mehr außer mir.

Also weiterhin viel Freude beim umschauen, wobei sich bei mir schon die Frage kommt. Wie schaut man sich blind im Internet um, hast du auch eine Computerstimme die dir das vorließt oder eine Zeile Blindenschrift unterhalb der Tastatur?

Gruß von der neugierigen Merle.
@ Merle :

Ja, Merle, ich habe einen Screenreader, der mir alles vorliest, eine Braille-Tastatur habe ich nicht, möchte Braille aber noch lernen. Über Tastaturkürzel komme ich auf meine Favoritenseiten und wenn ich was bestimmtes suche, mache ich das wie du, über Tante Google.Lächeln Mein synthetischer Freund hilft enorm.

@ Ohrenblicker :

Das Buch kenne ich leider nicht, ist bestimmt interessant. Habe überhaupt keine Probleme mit Mit-Blinden, die herausragende Leistungen bringen, im Gegenteil ! Verena Bentele z. B., die blinde Biathlonläuferin, finde ich einfach nur klasse. Ich kann nicht skilaufen, also kann ich mich auch nicht unter Druck setzen/lassen. Eine Freundin von mir ist auch späterblindet, sie ist total sportlich, immer in Action und unterwegs ... auch daran lasse ich mich nicht messen, aber sie ist unglaublich motivierend für mich !

Und dieses Jammern und sich selbst im Wege stehen kenne ich von beiden Seiten. Und, hasse es ! Zwinkern

Ich muß allerdings gestehen, das ich nicht die Zitierfunktion benutzt habe, sondern kopiert und manuell eingesetzt hab. Geht für mich schneller, als das unerwünschte löschen zu müssen.Lächeln

Lieber Gruß, Shari

Shari schrieb:
Das Buch kenne ich leider nicht, ist bestimmt interessant.
Ende Zitat


Ist auf jedenfall lesenswert. Ich finde es manchmal allerdings etwas anstrengend zu lesen, weil der Autor einen etwas "vergeistigten" Stil hat und sehr viel reflektiert. Dazu kommt, dass er offenbar eine grenzenlos positive Lebenseinstellung hat. Nach den ersten Kapiteln sehnt man sich dann schon fast den Beginn des Krieges herbei, damit mal etwas Negatives passiert. Zwinkern Aber selbst im Widerstandskampf scheint er sowas wie Glück zu finden. Nichts desto trotz, ein empfehlenswertes Buch, auch wenn ich es noch nicht zuende gelesen habe.

Shari schrieb:
Habe überhaupt keine Probleme mit Mit-Blinden, die herausragende Leistungen bringen, im Gegenteil !
Ende Zitat


Ich möchte dazu noch ergänzen, dass ich es auf jeden Fall respektiere, wenn Blinde manchmal ein Problem damit haben, dass die herausragenden Blinden viel Aufmerksamkeit bekommen und vielleicht auch ein verzerrtes Bild vom Leben mit Blindheit vermitteln. Ich stelle mir vor, wie schwer es sein muss, sich mit einer späten Erblindung zu arrangieren und da sind Menschen, die trotz ihrer Behinderung Besonderes leisten manchmal sicherlich demotivierend, weil sie einen selbst noch kleiner wirken lassen. Anders ausgedrückt: Wenn ich schlecht in Mathe bin, dann stört mich auch der Streber, der Mathe mit Leichtigkeit meistert und mir der Lehrer sagt: "Nimm dir doch ein Beispiel an dem!"

Nicht jeder will und muss etwas Besonderes sein. Ich denke, dass ich als Nicht-Blinder mir auch kein Urteil darüber erlauben darf. Trotzdem sehe ich solche Menschen als Vorbilder, wie beispielsweise die schwerhörige Musikerin Evelyn Glennie, die ihre Behinderung und ihre ganz besondere Wahrnehmung von Musik sogar als Vorteil nutzt.

Ohrenblicker schrieb:
Ich stelle mir vor, wie schwer es sein muss, sich mit einer späten Erblindung zu arrangieren und da sind Menschen, die trotz ihrer Behinderung Besonderes leisten manchmal sicherlich demotivierend, weil sie einen selbst noch kleiner wirken lassen. Anders ausgedrückt: Wenn ich schlecht in Mathe bin, dann stört mich auch der Streber, der Mathe mit Leichtigkeit meistert und mir der Lehrer sagt: "Nimm dir doch ein Beispiel an dem!"
Ende Zitat


Ja, es ist schwer, sich mit einer späten Erblindung zu arrangieren, würde ich etwas anderes behaupten, würde ich lügen. Aber, ob du dich motivieren oder demotivieren läßt, liegt in dir und deiner Grundeinstellung. Wenn die hevorragende Leistung in meinem Interessengebiet liegt, finde ich persönlich das nur motivierend, wenn nicht, fühle ich mich nicht unter Druck gesetzt. War aber noch nie so. Ein Mathegenie in der Schule hat das auch nicht geschafft, ich habe Mathe immer gehasst und wer das gut konnte der wollte, bitte. Lächeln

Ich reite z.B.seit meiner Kindheit und werde das auch nicht aufgeben. Aufgrund der vielen Jahre brauche ich meine Augen dafür nicht, ein vertrautes Pferd übernimmt das für mich.Auch dabei gibt es übrigens viele Ohrenblicke, gerade im Gelände. Viele, gerade Kinder, sehen mich als Vorbild, dabei mache ich nur das, was ich immer getan habe und meinetwegen soll sich auch niemand unter (Leistungs)druck gesetzt fühlen !

Es gibt aber einen Riesenunterschied zwischen geburtsblinden und späterblindeten Menschen. Ich habe einen guten Freund, der geburtsblind ist. Leider wohnt er weit weg und wir haben nur über Skype & Mail Kontakt. Wenn er mir Nachhilfe am PC gibt, schlackere ich nur mit den Ohren und kann es oft nicht fassen, WIE er das alles weiß und macht.Auch wenn ich oft fluche wie ein Droschkenkutscher Lächeln , selbst das empfinde ich nur als Ansporn, obwohl ich sicher weiß, das ich nie so gut werde wie er. Für ihn ist das alles normal, für mich ist es so, als würde ich noch mal Abitur machen.

Vorbilder oder Idole zu haben ist absolut nichts Schlechtes, nur darf man sich nicht dadurch unter Druck setzen (lassen) .. ich denke, das gilt für uns alle, oder ?

Lieber Gruß, Shari, die gleich Fußball schaut Lächeln


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