Hallo Jens,
Du schreibst an anderer Stelle: "Ich habe leider kein besseres Medium für dieses Konzept, weder als Hörspiel noch als Radio-Feature würden meine bisherigen Folgen funktionieren, da wäre auch die Produktionsweise eine andere." -- das interessiert mich: inwiefern wäre die Produktionsweise eine andere? Ich hätte in meiner Naivität jetzt nur angenommen, dass man am Ende vielleicht eine unkomprimierte Datei abliefert, statt eines MP3
Wenn es nicht zu weit führt, vielleicht kannst Du die grundsätzlichern Unterschiede kurz darlegen?

- Coke
Interessante Frage. Also, ich muss dazu sagen, dass ich selbst als Autor noch nichts für's Radio produziert habe (außer die Sachen, die mal im Blogspiel vom Deutschlandradio gespielt wurden, aber das ist nicht vergleichbar mit Radiobeiträgen oder Features). Insofern bin ich auch nicht so wirklich ein Insider. Ich habe allerdings mal in den Semesterferien als Tontechniker bei einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in Köln

gearbeitet und lese mich gerade in die Thematik Radio-Feature ein (wie gesagt, ich habe da ernsthaft was in der Richtung vor), sodass ich zumindest die groben Unterschiede herausstellen kann.
Das Besondere an Ohrenblicke ist, dass alles aus einer Hand kommt: Skript, Technik, Musik, Sprecher und dass ich meine eigene Redaktion bin. Beim Radio wird das so nicht funktionieren. Für ein Feature reiche ich zunächst mal mein Exposé ein und versuche, die Redaktion zu überzeugen. Erst dann kann ich anfangen, O-Töne zu sammeln, Interviews zu führen etc. Dann mache ich ein Skript und das wird dann vom Redakteur sicherlich nocheinmal auseinandergepflückt. Erst dann wird das Feature produziert (oftmals mit mehreren Sprechern, die Musik muss man beim Radio zum Glück nicht selber machen, denn die zahlen an die GEMA, die O-Töne schneide ich nach dem Skript, bei Ohrenblicke mache ich viel mehr aus dem Bauch heraus).
Ich habe beim Radio niemals die Freiheit, die ich beim Podcasting habe. Folge 14 wäre im Radio nicht möglich gewesen, da sie zu sehr von mir handelt, Anspielungen auf vergangene Folgen enthält und nicht wirklich für sich alleine stehen kann, dafür hat sie zu viele Ecken und Kanten. Für ein Radio-Feature muss man ganz anders konzipieren, das Radio ist eben auch ein ganz anderes Medium. Auch wenn ein wenig Freiheit auf der Strecke bleibt, es hat auch enorme Vorteile, wenn mehrere an einer Produktion arbeiten, denn für die Folge 14 musste ich mich in mehrere Personen aufspalten, das kann man nicht zu oft machen, ohne wahnsinnig zu werden. Ich bin ja auch nur knapp am Rand des Wahnsinns vorbeigeschlittert

Zum Thema Hörspiel: Allein die Fliegenszene wäre beim Radio wohl nicht in der Form umsetzbar gewesen, wie sie jetzt zu hören ist. Da greifen Musik, Sounddesign und Dialoge so ineinander über, dass man da schon sehr eng hätte zusammenarbeiten müssen. Für mich war es kein Problem noch mal ein, zwei Sätze nachzusprechen, weil ich den Dialog nachträglich geändert habe, damit das Timing besser stimmt (die Chicks habe ich nur einmal nachsprechen lassen, mehr war da auch nicht drin, hat mich zwei Jensigramme gekostet). Aber jedesmal den Sprecher ins Studio zu holen ist wohl nicht ganz so einfach.
Und dann merkt man, dass die Musik an der einen Stelle doch etwas mehr Dynamik haben könnte und macht wieder was an der Musik. Das wirkt sich wieder auf das Sounddesign aus, muss ja alles zusammenpassen. Man feilt also mal hier und mal da, damit hinterher alles stimmig ist. Das ist im professionellen Umfeld so gut wie unmöglich, da nicht finanzierbar. Und dass ein Mensch allein sowohl die Regie als auch Sprecher, Sounddesign und Musik macht, ist nicht gesund.
Mich würde aber schon mal interessieren, ob es eine vergleichbare Hörspielszene gibt, d.h. mit mehreren Perspektivwechseln, aufwändigem Sound und dem richtigen Timing. Frag mich nicht, wie lange ich daran geschraubt habe, aber ich bin damit zufrieden, was nicht so häufig passiert.

Danke für die Ausführungen!
Folge 14 wäre wohl wirklich "komisch" im Radio -- aber sowas wie die Folge(n) zur Lauscherlounge? Das wäre doch "radiotauglich"?
Ich drück Dir die Daumen für Dein Radio-Projekt. Lass uns bitte wissen, wann / wo / wie wir auch in den Genuss kommen könn(t)en.

Folge 14 wäre wohl wirklich "komisch" im Radio -- aber sowas wie die Folge(n) zur Lauscherlounge? Das wäre doch "radiotauglich"?

Schon eher. Aber wie gesagt: Der Entstehungsprozess ist ein anderer. Und auch hier steht wieder "der Ohrenblickfänger" im Mittelpunkt. Fürs Radio würde ich da anders rangehen.
Ich drück Dir die Daumen für Dein Radio-Projekt. Lass uns bitte wissen, wann / wo / wie wir auch in den Genuss kommen könn(t)en.

Naja, da sind noch alles ungelegte Eier von nichtgeschlüpften Hennen. Natürlich gebe ich Bescheid, wenn es was geben sollte.