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Hallo Jens,

Du meintest in Folge 15a, würde nur jeder Deiner Hörer 1 EUR zahlen, könntest Du davon leben. Kann das klappen? Mit einem Podcast wie "Ohrenblicke" Geld zu verdienen? Wieviele Hörer gäbe es noch, müsste man pro Folge 1 EUR zahlen? Nur mit einem Download-Shop? Vielleicht sogar über iTunes?

Da hab ich Zweifel: ohne einen Verlag oder eine Radiostation im Hintergrund zu haben, die entsprechende Mittel und Wege zur (Re-)Finanzierung aufwendiger Audioproduktionen haben, dürfte der Aufwand größer sein, als ein 1-Mann-Unternehmen stemmen könnte. Denn ohne Werbung oder Sponsor lässt sich in Deutschland kaum ein Abo-Service finanzieren: Zeitungen/Zeitschriften schaffen es nicht, die Musik-Industrie schafft es nicht (ist Napster profitabel?), nicht mal H**** hat es geschafft (warum auch immer... Zwinkern). (Am Rande: leider gibt es noch kein Update von Jürgen Schlund, wie weit er mit seinem Blues-Projekt ist.) Im weiteren Sinne: auch Premiere schafft es nicht.

Das "Problem" ist vielleicht die Medien-Struktur in Deutschland: ein völlig übersättigter Verlags-/Zeitschriftenmarkt oder die unglaubliche Anzahl öffentlicher Rundfunkstationen: warum sollte ich für einen Podcast -- und sei er noch so gut gemacht -- etwas bezahlen wollen?

Jens, lass es mich mal so sagen: das herausstechende Merkmal an Deinem privaten Podcast ist doch, dass Du Dir als Privatpodcaster eine so unglaubliche Mühe machst. Mit diesem Podcast ragst Du aus der Masse ideenloser Me-Too-Podcaster (ja, zu denen ich mich selbst auch zählen muss) deutlich heraus. Würdest Du Deine Produktionen hingegen (nur noch) kostenpflichtig anbieten, wo wäre dann der "Mehrwert" gegenüber der vielen Millionen anderen Audioproduktionen? Würde jemand für eine Jonny-Cash-Amsel Geld bezahlen? Würde jemand für eine psychedelische Folge 14 Geld bezahlen? Für ein Interview mit Deiner Lieblingshörerin? Oder würde jemand für Audio-Eindrücke von einem Tunesischen Markt Geld bezahlen, solange es kostenlose (werbeunterbrochene) Sendungen wie Vox-Tours gibt? Okay, es gibt einen Mehrwert -- nicht zuletzt ich wäre ja durchaus bereit, etwas dafür zu bezahlen. Dann aber wäre es an Dir, das Produkt zu vermarkten, was den hohen Produktionsaufwand nochmals erhöhen würde, das ganze also noch unrentabler machen würde...

Ich fürchte... nein, ich hoffe, dass Du Deine "Rendite" aus den Ohrenblicken anderweitig bekommen musst/kannst. Dass nämlich dieser Podcast das Aushängeschild für Deine Person wird, für Deine profressionellen Tätigkeit ist. Ich weiß nicht, ob Du angestellt oder freiberuflich arbeitest, aber solche Projekte sind doch hervorragende "Türöffner" für weitere Projekte, mit denen dann sehrwohl Geld verdient werden kann? Muss man Projekte wie "Ohrenblicke" nicht als Investition in die Zukunft betrachten, wie auch immer diese Zukunft aussehen mag?

Anyway -- was auch immer Du vorhast: ich drücke Dir alle Daumen, dass es Dir gelingt, eine gewisse Rendite aus diesem oder kommenden Projekten zu erzielen. Auf dass wir noch viele weitere Ohrenblicke-Folgen zu hören bekommen. Und wie Eva ja schon andeutete: einmal im Jahr reißt es Dich durch und wir bekommen wieder irgendwas auf die Ohren, was uns alle umhauen wird. Und dafür warten wir dann gerne etwas länger und drücken ein paar Euro für ab.

Frohes Neues Jahr!
- Coke
Hallo Coke,

vielen Dank für die Gedanken, die du dir machst. Es liegt hier allerdings ein Missverständnis vor: Ich habe nicht vor, Ohrenblicke kostenpflichtig anzubieten. Ich habe (mehr zum Spaß) gesagt, dass ich mal eine Folge im Downloadshop kostenpflichtig anbieten würde, um zu sehen, wie groß das Interesse noch ist, wenn man sagen wir 1 Euro dafür bezahlen müsste. Ich wette, dass dann die Hörerzahl auf 2% schrumpfen würde, obwohl 1 Euro nun wirklich kein Betrag ist, der weh tut.

Die Überlegung "von 1 Euro pro Folge" könnte ich leben, funktioniert nur theoretisch, wenn nämlich alle der rund 3000 Hörer pro Folge, die sich das bislang kostenlos heruntergeladen haben, eben einen Euro pro Folge spenden würden, ganz banal ohne Vertrieb und ohne Marketing. Mir ist klar, dass das in der Praxis nicht funktioniert.

Einen "Abo-Service" plane ich nicht. Allein der Downloadshop hat bislang mehr Arbeit gemacht, als an finanziellem Ausgleich hereinkam. Da müsste ich vielleicht Handy-Klingeltöne anbieten. Zwinkern

Das ganze Thema war eher dazu gedacht, bei den Hörern ein Bewusstsein zu schaffen, dass mein Projekt sehr viel Arbeit macht und dass ich das alles allein stemme, was bei Folge 14 zur Belastung wurde. Die Spender sind wie gesagt immer die üblichen Verdächtigen, die sich auch sonst überdurchschnittlich engagieren. Erst heute hat mir ein sehr engagierter Hörer wieder was geschenkt.

Wenn ich mich mit der Ukulele einen Tag an den Ku'damm stellen und meine Liedchen singen würde, hätte ich abends sicher mehr Geld im Hut, als durch diese wochenlange Arbeit an Folge 14 auf dem PayPal-Konto.

Solche Folgen werde ich deshalb nicht mehr produzieren können, auch wenn ich es gerne würde. Daher die Überlegung, mir für das nächste große Projekt Sponsoren zu suchen oder die Folge unabhängig vom Podcast zu veröffentlichen. Denn ich will sie machen, das steht fest!

Der Podcast muss dann eben etwas einfacher gehalten sein. Ich fand die Folge 12 auch sehr schön und das war die unaufwändigste des letzten Jahres.

Dafür wollte ich das Bewusstsein schaffen. Die 14 musste mal raus, aber so kann es nicht mehr weitergehen!

coke schrieb:
... Wieviele Hörer gäbe es noch, müsste man pro Folge 1 EUR zahlen? ... Ende Zitat


Hallo Coke,

Jens war schneller mit der Antwort, ich hatte meine jedoch bereits fertig geschrieben, als ich es bemerkt hatte. Hier also dennoch meine Gedanken dazu, die das, was da Jens gerade schrieb, unwillkürlich unterstützen:

Ich habe die Feststellung, dass wenn jeder Abonnent pro Folge ein Euro bezahlen würde, so ließe es sich locker davon leben, als eine interessante Theorie, eine Information verstanden, die zum Nachdenken bewegt, vielleicht. Aber ich glaube nicht, dass Jens je ernsthaft daran gedacht hätte, es so machen zu wollen. Ich kann ja nicht für ihn sprechen, es kommt mir alles einfach nur viel zu ernst genommen vor.

Gut, als Versuch soll es ja eine kostenpflichtige Folge geben, doch mit der soll es auch wieder aufhören und weiterhin kostenlos bleiben.

Jedenfalls, wenn ich vermutet hätte, dass sich von der Feststellung (1 EUR pro Folge) weitere ernsthafte Überlegungen im Ohrenblickers Kopfe entwickeln würden, hätte ich wohl nicht so locker reagiert sondern eher mit einem Bist-du-wahnsinnig-Aufschrei oder so. Zwinkern Ich glaube, du kannst heute und auch in den übrigen Nächten des Jahres also ruhig schlafen. Cool

Lieben Gruß

Eva

wäre das...

Ohrenblicker schrieb:
Wenn ich mich mit der Ukulele einen Tag an den Ku'damm stellen und meine Liedchen singen würde (...)Ende Zitat


... nicht ein ganz hervorragender Ohrenblick? Den würde ich seeehr gerne einfangen können (mist, hab immer noch keinen Zoom Hx). Dafür würde ich sogar extra nach Berlin reisen!

Zwinkern
- Coke

Weißt du, meine Idee war mal mit OKM und Ukulele in die U-Bahn zu gehen, zu singen und live aufzunehmen. Dazu bin ich aber zu feige. Zumal es in Berlin wohl schon regelrechte Revierkämpfe unter Straßenmusikern gibt. Wäre allerdings auch ein lustiger Ohrenblick, wenn ich dabei so richtig verdroschen würde. Zwinkern
Ach, und Zoom brauchste nicht, ich kann dir meinen Microtrack leihen. Komm doch mal in die Scheinbar, wenn ich da mal auftrete. Auch so ein Plan für 2009.
Ich gebs ja zu ... als ich gestern Abend in der 15a von der 1 Euro Geschichte gehört habe, dachte ich mir auch "Oha, das wird ne Bauchlandung".

Natürlich würde ich mir wünschen, daß so ein Plan erfolgreich verlaufen könnte, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Das Internet gilt ganz allgemein eben als "kostenlos". Wenn ich bedenke, wie oft ich schon von verschiedenen Personen mit verstörtem Blick bedacht wurde, weil ich gerade vom Kauf einer Musik-CD berichtete, obwohl es diese doch kostenlos (zwar hochillegal, aber immerhin kostenlos) im Internet zum Download gibt, so fällt es mir doch schwer mir vorzustellen, daß eben solche Leute plötzlich für einen Private Podcast Geld bezahlen sollen. Sorry, aber manchmal habe ich wirklich den Eindruck, daß der Kauf von CDs und DVDs oder schlimmer noch der Besuch eines Kinos Mega-Out ist. Gibts doch alles im Netz.

Der nächste Punkt ist die von Jens schon beschriebene Schaffung des Bewustseins beim Hörer, daß manche Podcaster eine Menge Arbeit in ihr Projekt stecken. Stellvertretend hierfür steht eine Email, die ich vor einiger Zeit von einem Hörer erhalten habe. Darin wurde ich kritisiert, daß meine Folgen immer kürzer würden und er wünschte sich, daß meine Folgen statt nur 10 doch 20 Minuten dauern sollten.

Ich bin diesem Hörer natürlich nicht böse. Im Grunde ist dies ja eines der größten Komplimente, die man mir als Podcaster machen kann, aber diese Mail zeigte auch, daß der Hörer keine Ahnung hat, wie viel Arbeit so ein Podcast macht. Nun könnte ja umgekehrt der Hörer fragen "Warum machst Du es dann, wenn es Dir zu viel Arbeit ist", aber das ist ja gar nicht der Punkt. Für mich ist podcasten ein Hobby bei dem am Ende etwas herauskommt, das ich mit anderen teilen kann. Blöd ist dabei nur eine Sache und hierbei möchte ich darum bitten, daß alle mal kurz aufstehen, denn wir singen jetzt das alte Lied vom undankbaren Nur-Konsumenten. (Da könnte man glaube ich echt einen Song raus machen. So eine Art Anti-Lieblingshörer-Lied.)

Der Nur-Konsument ist ein Hörer, der eben nur hört, aber noch nie auf die Idee gekommen ist, dem Podcaster mal eine kurze Email (die übrigens auch kostenlos ist) zukommen zu lassen oder sonstwie mitzuteilen, daß er eben den Podcast hört. Alternativ zum Nur-Konsumenten gibt es die Hörergruppe, die Jens als "die üblichen Verdächtigen" bezeichnet hat. Von denen gibt es Emails, Postkarten, ja teilweise kommen sogar Päckchen. Solche Hörer würde ein Euro pro Folge sicher nicht abschrecken, allerdings lässt sich die Anzahl der üblichen Verdächtigen an einer (vielleicht auch zwei) Händen abzählen.

Eine kostenpflichtige 1 Euro Folge ist mit Sicherheit ein interessantes Experiment, doch fürs erste fände ich es schon beeindruckend genug, wenn jeder Podcasthörer es fertigbrächte, nach dem Genuss einer Folge einen kurzen Kommentar auf der Seite des Podcasts zu hinterlassen. Das wären laut den von Jens erwähnten 3000 Hörern also 3000 Kommentare. 10% hiervon wären schon eine verdammt ordentliche Zahl.

So, und um den Spieß mal umzudrehen und nicht den Eindruck zu erwecken, daß alle Hörer nur Parasiten sind, die arme Podcaster ausnehmen ... ich bin selber kein Stück besser. Ich bin kommentierfaul, verteile selten Sterne bei Podster, habe noch nie eine iTunes Kritik geschrieben und wäre wahrscheinlich der erste, der den größten Teil seiner Abos streichen würde, wenn alle Podcastfolgen plötzlich einen Euro kosten würden. Schließlich ist das Internet doch kostenlos, oder? Ein Teufelskreis ...


P.S.:
Hab grad übrigens festgestellt, daß dies mein 50. Beitrag ist. Wo steht mein Jubiläumsdrink?

DerDübel schrieb:
Ich gebs ja zu ... als ich gestern Abend in der 15a von der 1 Euro Geschichte gehört habe, dachte ich mir auch "Oha, das wird ne Bauchlandung".
Ende Zitat


Naja, ich habe ja auch einen 1-Euro-Job hier bei Ohrenblicke. Ist nicht viel, aber man kommt damit aus, wenn man auf ein paar Luxusgüter verzichtet, z.B. Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Miete.

DerDübel schrieb:
So eine Art Anti-Lieblingshörer-Lied.
Ende Zitat


Ich hasse Leute, die mich ständig auf neue Ideen bringen. Zwinkern

Ohrenblicker schrieb:

DerDübel schrieb:
So eine Art Anti-Lieblingshörer-Lied.
Ende Zitat


Ich hasse Leute, die mich ständig auf neue Ideen bringen. Zwinkern
Ende Zitat


Verdammt, kann ich das nochmal korrigieren?

So eine Art "Anti-Lieblingshörer-Lied". © by Der Dübel

Muss mal fix los und mir die Markenrechte sichern. Zwinkern

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