Ich hab das Thema in meinem letzten Podcast als Startgag verheizt. Die Ponte sollte darauf hinauslaufen, daß ganz Deutschland zwar voll und ganz hinter MRRs Medienschelte steht, im Prinzip aber keine Ahnung hat, was nach Meinung von MRR denn Qualitätsfernsehen ist.
Die Onlineausgabe der BILD kann diese Frage aber nun beantworten. In der Liste sind unter anderem das Portrait einer Opernsängerin, ein Klassikkonzert, das Kulturmagazin Aspekte, die Verfilmung eines Romans, der sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte befasst und natürlich das literarische Quartett.
Ich gebs offen zu, ich schaue eher selten ARTE und 3Sat. Das liegt aber eher daran, daß ich generell recht wenig Fernsehen schaue. Der grössten Teil des Programms, der über meinen Fernseher flimmert, wird durch den DVD-Player bestimmt. Zumindest was Serien und Filme angeht. Das hat allerdings auch eher etwas mit den mich doch sehr nervenden Werbeunterbrechungen zu tun. Wir haben erst neulich "Unsere Erde" und "Stirb langsam 4.0" auf DVD geschaut. Zwar 2 sehr unterschiedliche Werke, aber solche Filme schaue ich mir lieber werbefrei am Stück an. Nachrichten und dergleichen beziehe ich meist aus dem Netz, zumal sich ja auch dort alles als Video anschauen lässt.
Ob das Fernsehen früher besser war, kann ich nicht sagen. Bei diesem ominösen "früher" wird meist alles durch eine rosarote Brille gesehen. Ich kann mich aber daran erinnern, daß meine Oma auch vor 25 Jahren schon über das Fernsehprogramm geschimpft hat.
Vielleicht liegt das Problem ganz einfach an der Übersättigung der Zuschauer. Nehmen wir mal einen kleinen verpickelten Teenager im Jahr 1981. Wenn der im Fernsehen gerne Raumschiffe sehen wollte, dann gab es einen Tag in der Woche, wo für ihn Raumschiff Enterprise lief. Wenn die Folge dann zu Ende war, musste er erneut eine ganze Woche warten, bis die nächste Folge kam. Heute im Jahr 2008 laufen in der Woche mehrere Science-Fiction-Serien, ob Alt oder Neu. Dazu vielleicht noch der eine oder andere Film. Wer sich den Luxus von Pay-TV gestattet, bekommt sogar eigene Kanäle, die den ganzen Tag nur solche Serien präsentieren. Ich persönlich komme mir da ein wenig vor, wie die vielzitierte Frau vor dem prallgefüllten Kleiderschrank, die nicht weiss, was sie anziehen soll. Und wo die Frau dann wütend die Schranktüre zuknallt und dann doch wieder ihre bequemen Jeans anzieht, da lege ich mich gemütlich aufs Sofa und schaue mir eine Folge Raumschiff Enterprise auf DVD an.
Ein letzter Gedanke: Vielleicht wäre die Wiedereinführung des Sendeschlusses das Ende allen Übels?
Mir gehts da ganz ähnlich wie dem Dübel, ich habe einen Fernseher, schaue aber relativ wenig das laufende Fernsehprogramm, weil die Werbung nur noch nervt. Ich habe mir allerdings jetzt eine Multimediafestplatte zugelegt. Da werden die Sendungen am Computer aufgenommen, die ich sehen möchte. Dann kann ich sie mir ohne große Werbeunterbrechungen in aller Ruhe zu der Zeit anschauen, zu der ich es sehen möchte und anschließend wird der Film wieder gelöscht oder wenns lohnt als DVD gebrannt. So bin ich zeitlich unabhängig und kann die Werbeblöcke im Schnelldurchlauf ansehen.
genau deshalb...
Nehmen wir mal einen kleinen verpickelten Teenager im Jahr 1981. Wenn der im Fernsehen gerne Raumschiffe sehen wollte, dann gab es einen Tag in der Woche, wo für ihn Raumschiff Enterprise lief. Wenn die Folge dann zu Ende war, musste er erneut eine ganze Woche warten, bis die nächste Folge kam.

... war Fernsehen früher keinesfalls besser. "Besser" war höchstens die Arroganz der Fernsehintendanten, die zu wissen glaubten, was der Zuschauer sehen will/soll/darf. Wann haben wir picklige Teenager endlich Star Wars im Fernsehen bekommen? Ich meine mich zu erinnern, dass erst die Privatsender (RTL?) diesen gesendet haben. Ungefähr 10 Jahre, nachdem überall sonst in der Welt alle drei Teile im TV liefen. Unfassbar. Hätte eine ARD "Sex and the City" ausgestrahlt? Hätte ein ZDF gar "Carlifonication" gesendet? Okay, in Bayern hättern wir das wahrscheinlich im ORF sehen können... 
Und früher war das Fernsehen auch qualitativ nicht besser -- auch ARD und ZDF haben viel Schrott produziert. Über "Schwarzwaldklinik" mag man denken was man will, aber "besser" als der Mist heute, war die auch nicht. Es gibt heute vielleicht mehr Schrott auf mehr Sendern. Aber auch mehr Perlen, die man sich halt 'raussuchen muss: diverse Serien, Spielfilme (gerne auch auf Arte oder 3sat) oder sonstige zielgruppenaffine Sender. Und wenn ich einen Film ohne Werbepause sehen will, leihe oder kaufe ich mir die DVD.
Die meisten Filme im Fernsehen sind eh hunderste Wiederholung (von Kino oder DVD oder "Klassiker") -- da ist die Werbeunterbrechung häufig durchaus eine echte "Abwechslung"!
Und mal ernsthaft: wieviele Filme sind es wert, nicht von Werbung unterbrochen zu werden? Ich nutze Werbepausen gerne dazu, das bisher gesehene kurz zu reflektieren -- und komme nicht selten zu dem Schluss, dass der Film bisher scheiße war und wohl auch nicht mehr besser wird. Danke, liebe Werbeunterbrechung, für diese Einsicht...
Und übrigens: ich gehe immer noch gerne ins Kino! Obwohl mich die Werbung (nicht Trailer!) vorne weg eigentlich sogar viel mehr nervt als unterbrechende Fernsehwerbung... 
Annik Rubens hat in ihrem Podcast "Schlaflos in München" übrigens mit Christian Miessner ein sehr interessantes Interview allgemein zum Thema Podcasting geführt, in dem auch das Fernsehen und dessen Zukunft zur Sprache kam: Episode #479 und im SiM-Forum einige Kommentar dazu.

- Coke
Nun, ich denke mal, dass Star Wars/Trek und "Sex and the City" jetzt nicht das ist, was Reich Ranicki als Bildungsfernsehen einstufen würde
Ich finde, es hatte durchaus Vorteile, dass das Fernsehen damals nur drei Programme hatte und die Auswahl so beschränkt war. Klar gab es auch damals schon größtenteils Schrott und das Fernsehen war früher sicherlich nicht besser, aber die Leute haben auch nicht gleich weggezappt, wenn mal eine Informationssendung oder eine Sendung mit politischem Inhalt kam, weil sie es gar nicht konnten

Oder sie haben einfach abgeschaltet und miteinander geredet oder ein Buch gelesen.
Wer sich den ganzen Tag seichte Unterhaltung ansehen will, hatte nie mehr Auswahl als heute. Dadurch gehen aber auch die anspruchsvolleren Programme (von denen es heute ebenfalls mehr gibt als früher) unter. Die andere Frage ist natürlich, ob das Fernsehen die Menschen bevormunden muss, wie das Coke kritisiert hat. Das Fernsehen kann nicht das retten, was Elternhaus, Kindergarten und Schule versaut haben.
Ich möchte noch mal nachhaken. Danke erst mal an alle, die sich bis jetzt hier geäußert haben. Ich finde die Einzelbeiträge fast aussagekräftiger als die eigentliche Umfrage.
Was mir jedoch auffällt: Wir sind teilweise ein bisschen vom Thema abgedriftet. Der Anlass dieser Umfrage war die Fernsehkritik von Marcel Reich-Ranicki. Er bemängelte u.a. dass das Fernsehen zu niveaulos sei. Als Positivbeispiel nannte er eine Dokumentation über Kissinger und eine Dürrenmatt-Verfilmung. Als Beispiel für niveauvolle Unterhaltung nannte er die Komödien von Shakespeare. Es ging ihm ja weniger um Star Wars, Herr der Ringe und Co., sondern um den intellektuellen Anspruch.
Daher meine Frage: Findet ihr, dass so etwas im Fernsehen zu kurz kommt? Sollte es mehr Shakespeare geben und weniger Pilcher? Sollte Fernsehen mehr bilden? Oder ist das Angebot mit Arte, 3-Sat und Co. diesbezüglich ausreichend? Ist das Fernsehen überhaupt das richtige Medium für so etwas? Für Bildung und Kultur gibt's ja auch Bücher, Theater etc.
Ich hoffe, die Frage ist nun etwas deutlicher.
P.S.: Ich selber besitze gar keinen Fernseher (vermisse ihn auch nicht) und habe mir das MRR-Gottschalk-Gespräch auf YouTube angesehen. Aber mich interessiert schon sehr, wie das Fernsehprogramm von anderen wahrgenommen wird.
Marcel Reich-Ranicki hat zwar...
Er bemängelte u.a. dass das Fernsehen zu niveaulos sei.

... ein einen Fernsehpreis abgelehnt, weil angeblich zuviel Müll im TV gezeigt wird -- übrigens: in jenem Fernsehen, dass er jahrelang (jahrzehnte?) für seine "Sache" (die Literatur) instrumentalisiert hat. Aber heißt das nun, er würde auch einen angesehenen Literaturpreis ablehenen, weil zuviel Müll in Buchform gedruckt wird?
Solange wir arte, 3sat und ähnliche Programme haben, die anerkannterweise hohes Niveau senden, muss sich nun wirklich kein Intellektueller darüber aufregen, es würde zuviel Müll gesendet. Und jedem steht es heute offen, einen eigenen, hochintellekt-kulturellen TV-Sender auf die Beine zu stellen. Grass-Willemsen-Ranicki-TV. Harald Schmidt als Intendant. Viel Spaß! 
Nee, den Fernsehpreis hat er abgelehnt, weil er die Verleihungs-Veranstaltung "unerträglich" fand.
Und ich glaube, du hast mich immer noch nicht verstanden: Im Gespräch mit Gottschalk ging es ja nicht um intellektuelle Spartensender für ein elitäres Publikum, sondern um Fernsehen für die breite Masse. Da die Privaten sich nach Quoten richten müssen, also speziell um ARD und ZDF. Müssen die das Quotenwettrennen wirklich mitmachen? Dürfen die nicht mal mehr Mut zum Experiment haben? Mir persönlich sind Kultursender zu angestaubt, zu wenig kreativ, zu elitär, auch wenn ich mangels Fernseher nicht so wirklich mitreden kann, aber ich kenne das ja vom Radio.
Ich wage zu behaupten, dass man auch mit Shakespeare ein breites Publikum unterhalten könnte, wenn man ihn entsprechend aufbereitet. Ob das MRR dann gefallen würde, steht auf einem anderen Blatt (er würde es wahrscheinlich "unerträglich" finden

). Romeo und Julia mit Leonardo di Caprio war ja beispielsweise auch nicht unerfolgreich. Das Musical West Side Story hat sich genau diesen Stoff zueigen gemacht und ist sicherlich eins der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten.
Ich finde, dass sich gerade die alten Meister dazu eignen, gute Unterhaltung zu produzieren und ich warne schon mal vor, dass ich schon lange Ideen dafür habe, den ein oder anderen klassischen Dichter in Ohrenblicke zu Wort kommen zu lassen. Hat aber nix mit MRR zu tun, der würde meinen Podcast ohnehin "unerträglich" finden.

Ich wage zu behaupten, dass man auch mit Shakespeare ein breites Publikum unterhalten könnte, wenn man ihn entsprechend aufbereitet. Ob das MRR dann gefallen würde, steht auf einem anderen Blatt (er würde es wahrscheinlich "unerträglich" finden

). Romeo und Julia mit Leonardo di Caprio war ja beispielsweise auch nicht unerfolgreich. Das Musical West Side Story hat sich genau diesen Stoff zueigen gemacht und ist sicherlich eins der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten.

Shakespeare hat im Grunde ein grosses Problem. Seinen Namen. Wer Shakespeare hört, der duckt sich sofort, weil da Kultur im Anflug ist. Und ich gebe es zu, ich bin da kein Stück besser. Im Bücherschrank meiner Frau steht das Gesamtwerk von Shakespeare. Obwohl mir Patrick Stewart in seiner Rolle als Jean Luc Picard (Captain der Next Generation Enterprise und grosser Shakespeare Liebhaber) immer wieder von eben diesem Autor vorgeschwärmt hat, konnte mich das aber bisher kein Stück dazu bewegen, mich näher als einen Meter an dieses Regal heranzuwagen.Aber nun werde ich mich auf ein Experiment einlassen.
Ich, Der Dübel, Podcaster, Bild.de-Leser, RTL-Nachrichten-Gucker und ARTE-Verschmäher, werde ein Buch von Shakespeare lesen. Vielleicht lässt sich das ja auch irgendwie in einem Podcast verbraten. Mir ist schon klar, daß ich hier wieder einmal völlig am Thema vorbeischreibe, aber die Frage "Wie blöd ist Fernsehen?" ist eigentlich völliger Quatsch. Vielmehr sollte man doch fragen "Sind die alten Klassiker wirklich so viel besser?". Und das will ich jetzt wissen.
Und jetzt mal bitte ein paar Vorschläge! Welchen Shakespeare Klassiker sollte ich mir zuerst vornehmen? Oder hat hier überhaupt schon jemand (freiwillig) Shakespeare gelesen? Ich bin für alles offen. Vielleicht mag ja auch jemand zusammen mit mir lesen und wir müllen dann dem Ohrenblicker das Forum mit unseren Eindrücken zu.
Auf gehts. Los Wochos ist vorbei, jetzt gibt Los Kulturos.
Hey Dübel,
als DVD-Konsument kannst du dir ja mal einen Eindruck verschaffen, indem du den Film Macbeth von Roman Polanski anschaust. Den habe ich damals, so um 1979 herum, im Kino gesehen und war total beeindruckt.
Na ja, zum Shakespeare lesen hat er mich auch nicht animiert.
P.S. Dass Patrick Stewart ein bekannter Shakespeare-Darsteller ist, weisst du sicher.